Spielregeln


Damit das Training für alle funktioniert und allen etwas bringt, gibt es Regeln. Es gibt harte Regeln, die bitte zu befolgen sind, und weiche, die ich euch ans Herz lege. Das klingt zum Teil etwas streng aber Freiheit, Genuss und Entwicklung liegen in jeder Art des Trainings innerhalb und nicht außerhalb der Regeln. Eine Tennisspielerin, die besser werden will, kommt vermutlich auch nicht mit Wanderschuhen zum Training, setzt sich an den Netzpfosten und zuppelt das Gelbe von den Bällen. Improtheatertraining ist kreatives Körpertraining mit anderen Menschen - und dafür wollen wir uns gemeinsam die bestmöglichen Bedingungen schaffen!

 

Harte Regeln

  1. Pünktlich sein. Zu spät kommen kann passieren - auch dem Trainer. Dann aber bitte merken, dass Zuspätkommende das Training stören und aufhalten. Angebracht ist schnelles Jacke-aus, Trainingsschuhe-an und versuchen, rein zu kommen. Wem die Übung nicht bekannt ist: So tun, als sei sie bekannt (siehe Weiche Regel 4). Alles andere behindert alle anderen. (Zu allem anderen gehören z.B. lauthals begrüßen, die Verspätung rechtfertigen und alle anderen Strategien, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.)
  2. Schuhe tragen oder barfuß spielen. Kuschelsocken sind fürs Wohnzimmer und zum Fletzen gut, beim Training sollte man Kontrolle darüber haben, wann man steht und wann man geht.
  3. Keine Privatpausen einnehmen. Meistens machen wir nach 60-90 Minuten eine kurze gemeinsame Pause. Im Zweifel ist es aber auch möglich, 2h ohne Klo auszuhalten. Trinken ist durchgängig ok, wenn nötig, und nicht zu einem Spannungsabfall führt.
  4. Arme und Beine nie über Kreuz. Weder vor noch hinter, weder über noch unter dem Körper. Hände in den Hosentaschen ist tabu, Füße in den Hosentaschen auch. AUSNAHME: In der Szene. Figuren dürfen das.
  5. Nicht vor Trainingsbeginn entschuldigen. Wer wirklich so müde/verkatert/krank ist, dass sie sich nicht aufs Training konzentrieren kann, sollte sich auskurieren. Wer sich entscheidet, zu trainieren, sollte trainieren. Jeder Satz mit dem Subtext "Ich werde heute nicht gut spielen, weil ich..." sollte vermieden werden. (Wer körperlich relevanterweise eingeschränkt ist, kann natürlich kurz Bescheid geben, sodass sich niemand wundert, wenn sie oder er plötzlich erblasst, sich setzen muss odgl.)

 

Weiche Regeln

  1. Jede Übung Ernst nehmen und sich komplett reinhängen. Nicht jede Übung erschließt sich sofort, einige scheinen dümmlich, andere kompliziert. Dieselbe Übung kann zwei unterschiedliche Menschen gleichzeitig unter- und überfordern. Gebt allen eine Chance, Spaß daran zu haben und etwas davon mitzunehmen - vor allem euch selbst. Wer vorschnell 'nein' sagt, verschenkt sich was. Kritik an einzelnen Übungen, dem Aufbau oder der Gesamtausrichtung gerne: außerhalb des Workshops.
  2. Seid aufmerksam. Immer. Egal ob als Zuschauende, als Mitspielende an der Seite oder in der Szene. Gebt euch keine Pause (außer in der Pause). Die laufende Szene ist das Wichtigste in diesem Moment an diesem Ort. Getuschel, Abwenden, Handygucken etc. ist fehl am Platz. Stellt euch vor, ihr erzählt jemandem etwas Wichtiges und diese Person, steigt plötzlich aufs Fahrrad und fährt weg - wer als Publikum nicht aufs Bühnengeschehen sondern auf die Uhr schaut, erzielt denselben Effekt. Gebt einander dieses große Geschenk der Aufmerksamkeit, das überhaupt nichts kostet aber das Wertvollste ist, was wir miteinander haben. Nur wenn wir einander wichtig machen, werden die Szenen wichtig. Nur wenn wir die Szenen sehen wollen, werden sie sehens-wert. Deswegen sind auch alle Formen der Kritikerhaltung (Bein über Bein, Arme verschränkt) eben so zu vermeiden, wie diverse Varianten der schluffigen Scheißegal-Haltung (Hände in Hosentaschen u.Ä.), siehe Harte Regel 4.
  3. Nehmt die anderen wichtiger als euch selbst. Ihr seht gut aus, wenn die um euch herum gut aussehen. Wenn ihr versucht, gut auszusehen, lässt euch allein der Versuch scheitern. Eingebaute Fehlleistung in jeglichem Kontrollversuch. Immer.
  4. Fake it till you make it. Wer sich schlapp fühlt: Behaupte fit zu sein. Kurz danach bist du es. Wer sich langweilt: Behaupte interessiert zu sein. Du findest schon was. Wer sich unsicher fühlt: Atme und behaupte das Gegenteil. (Achtung: Viel reden, laut sein, Szenenparter*innen an die Wand spielen, dominieren wollen etc. sind keine Zeichen von Sicherheit...)
  5. Klamotten erlauben im besten Fall viel Bewegung und Flexibilität. Nicht-ideale Klamotten sind Pumps, Jeans usw. Wenn möglich, bringt Probenkleidung mit - das Umziehen hilft, in einen Probenmodus zu kommen. Gute Klamotten erkennt ihr daran, dass, wenn ihr sie tragt, die Grenzen eurer Beweglichkeit vom Körper gesetzt werden, nicht von der Naht. Ins Fitnessstudio nimmt man sich auch was mit und ins Schwitzen kommt ihr bei mir auch.
  6. Wenn ihr an der Seite steht, steht auf den Fußballen, nicht auf den Hacken.
  7. Erlaubt euch, dämlich auszusehen. Fehler zu machen. Uncool zu sein. Hinzugeben und loszulassen. Das macht euch schön.